Praktikerkonferenz 2008
Pumpen in der Verfahrenstechnik an der TU Graz
Vom 31. März bis zum 2. April 2008 hat in Graz die 12. Praktikerkonferenz über Pumpen in der Verfahrenstechnik stattgefunden. Wie jedes Jahr eine Woche nach Ostern kamen in Graz Pumpenfachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen, tauschten Erfahrungen aus und informierten sich über neueste Entwicklungstrends. Schwerpunkt im Jahre 2008 waren neben dem stets wichtigen Erfahrungsberichten die Themen Schäden und Überwachung, Magnetkupplungspumpen, Gleitringdichtungen Verdrängerpumpen und Werkstoffe, stets wie in Graz üblich aus dem Blickwinkel der Betreiber und auch der Hersteller. In diesem Jahr besuchten wieder über 100 Teilnehmer diese Veranstaltung, die sich über die Jahre als bedeutendste Veranstaltung ihrer Art im deutschsprachigem Raum etabliert hat. Herausragend ist bei dieser Tagung, dass sie im großen Maße von den Betreibern besucht wird. An jedem der drei Tage setzte sich das Auditorium zur Hälfte aus Betreibern und Herstellern zusammen, im Vorjahr kamen sogar nicht weniger als 80% der Teilnehmer von der Betreiberseite.
Neben den wichtigen Fachthemen sticht die Grazer Tagung besonders dadurch heraus, dass von allen Referenten – aus der ersten Firmenebene ! - und auch von den Teilnehmern in den lebhaft geführten Diskussionen „das offene Wort“ gepflegt wird, oberflächliche Werbevorträge findet man in Graz nicht.
Den Eröffnungsvortrag hielt der Veranstalter Prof. Jaberg und präsentierte – ausgehend von den hydraulischen Grundlagen – ein Verfahren zur Pumpenauswahl für zähe oder feststoffbeladene Medien auf Basis der spezifischen Schnellläufigkeit. Danach berichtete Dr. Wieczorek, Geschäftsführer von WITTE-PUMPEN über eine neuartige Zahnradpumpe mit externen Kugellagern für besonders hohe Beanspruchungen und Herr Heinen, Director Engineering von MAAG TEXTRON, hieb in dieselbe Kerbe und stellte alternative erfolgreiche Lösungen für ähnlich gelagerte Förderproblematiken dar. Der BLACKMER-Verkaufsleiter Volland rundete das Thema Verdrängerpumpen ab mit einem Beitrag über eine hermetisch dichte Variante, die oft gelobt wird. Überhaupt stellt „hermetisch dicht“ neben der auch weiterhin hohen Bedeutung von Gleitringdichtungen - immer wieder ein wichtiges Thema der Grazer Konferenz - dar. Schadensmechanismen bei Schraubenspindel- und Kreiselpumpen wurden von Herrn Degen, dem Serviceleiter von ALLWEILER ausführlich präsentiert. Er lieferte damit erneut ein gutes Beispiel, dass in Graz stets das „offenen Wort“ gepflegt wird.
Damit war auch der Bogen geschlagen zu den Kreiselpumpen. Die Magnetkupplungspumpe als ebenfalls hermetisch dichte Ausführung wurde in ihrer kunststoffausgekleideten Variante von Dr. Bahm, Entwicklungsleiter von Richter Chemie-Technik, detailliert betrachtet. Und Dr. Herbers, Leiter Technik von Klaus Union, beleuchtete die metallische Ausführung und die Energieeinsparpotentiale bei Pumpen allgemein und bei Magnetkupplungspumpen im Speziellen.
Als Entspannung von dem anspruchsvollen, aber abwechselungsreichen und lebhaft diskutiertem Programm schloss der erste Tag mit einem Besuch in einem original steirischen Buschenschank mit steirischen Spezialitäten und Jazzuntermalung ab, bevor am nächsten Tag die Herren Müller, Verkaufsleiter Iwaki Europe, mit Magnetkupplungspumpen für feststoffbeladene Medien und Dr. Renner, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Pumpenfirma, mit einer uneingeschränkt trockenlauffähigen (!) Magnetkupplungspumpe für Aufsehen sorgten.
Wie es sich für eine Praktikerkonferenz gehört, kamen natürlich auch die Betreiber zu Wort. Herr Bestehorn, Leiter Pumpentechnik der BIS PROZESSTECHNIK (ehemals InfraServ Höchst Technik), schlug die Brücke sowohl zum Praxiseinsatz als auch zur Gleitringdichtung mit einem hochinteressanten Vortrag über die Eignung von Patronendichtungen im Ex-Bereich. Das ebenso interessante und nach wie vor völlig neuartige Thema der diamantbeschichteten Gleitflächen trug Herr Ziegenbein, Leiter Produktmanagement von Burgmann vor, bevor der Werkstoffwissenschaftler R. Zils, Business Development Manager bei Friatec, die wichtigsten Grundlagen von metallischen Werkstoffen, aber auch von Kunststoffen und Keramik im Hinblick auf Anwendung in der verfahrenstechnischen Industrie präsentierte.
Der zweite Tag wurde komplettiert von Herrn Stargardt, Leiter Maschinentechnik, Automation und Kontraktoren der PCK-Raffinerie SCHWEDT mit einem Praxisbeispiel über Online-Pumpenüberwachung und Herrn Strack von der Prüftechnik AG über das ähnlich gelagerte Thema der Maschinenvermessung und Maschinendiagnose.
Am Abend des zweiten Tages entspannten sich die Teilnehmer bei einem Empfang des Grazer Bürgermeisters in dem herrlichen neo-barocken Rathaus, bei einer improvisierten Ratssitzung und einem mit Dixieland-Musik untermalten Buffet.
Der dritte Tag stand noch mehr als die beiden ersten im Blickfeld der Betreiber: Herr Graever, Maintenance Manager bei SABIC Polyolefine und Pumpenfachingenieur, lenkte die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf Schadensfälle durch unsachgemäßen Betrieb und Herr Willers, technischer Betriebsleiter bei CaseTech walsrode, präsentierte mit Schadensfällen an Pumpen in der viskoseverarbeitenden Industrie eine Reihe von Gemeinheiten, die in der Pumpenpraxis nun einmal vorkommen können. Vor allem präsentierten aber die beiden Redner, was man sich einfallen lassen muss, um Schadensfällen vorzubeugen. Die Systemanalysen kamen in den beiden Vorträgen von Herrn Schicketanz, Pumpenfachingenieur GmbH und ehemaliger Leiter in der BASF-Anlagentechnik, sowie im Vortrag von Pete Stevens, Foster Wheeler Reading, zusammen mit der betreffenden Pumpenauswahl zur Sprache. Und Herr Mollenhauer, LPG Market Manager bei Sterling SIHI SIC vertiefte das spezielle Thema mit Flüssigkeitspumpen für LTG-Tankanlagen.
Ein besonderes Highlight und ein Beispiel für die umfassende Darstellung der Pumpenwelt in der Verfahrenstechnik bei der Grazer Veranstaltung waren die beiden Vorträge von Herrn Ilka, Bereichsleiter After Sales bei LEWA, und besonders von Herrn Bumb, Koordinator des Arbeitsteams Pumpen im BASF-ANLAGENBAU, die über ein neuartiges Ersatzteil-Logistik-Konzept bei EXXON sowie über die Vorgehensweise der BASF-Pumpenbeschaffung berichteten. Die hohe Präsenz der Teilnehmer bis zu den letzten Vorträgen, die ja bei anderen Veranstaltungen nicht unbedingt gegeben ist, belegt nicht nur die hohe Bedeutung dieser beiden Vorträge, sondern ist auch ein gutes Beispiel für die beachtliche Qualität der Vorträge dieser mittlerweile wohletablierten Grazer Pumpentagung.
Die dreitägige Konferenz wurde von dem Veranstalter, Prof. Jaberg geschlossen, der sich über die rege Teilnahme, die temperamentvollen Diskussionen und die hohe Qualität der Vorträge beeindruckt zeigte und dies besonders darauf zurückführte, dass alle Vorträge von der ersten Garde der Industrie wie Geschäftsführern, Entwicklungsleiter, Service- oder Planungsleitern gehalten wurden und dadurch die hohe Qualität fast automatisch erreicht werden konnte. Das mittlerweile schon weitgehend ausgewertete Feedback der Teilnehmer bestätigt diesen Eindruck: Erneut bot die Grazer Praktikerkonferenz "Pumpen in der Verfahrenstechnik" erstklassige Information von Praktikern für Praktiker, es wurde offen über Grenzen der Einsatzbereiche gesprochen. Genügend Zeit für den so wichtigen Erfahrungsaustausch und den Know how-Transfer stand wie immer auch dieses Mal zur Verfügung.
Nicht zuletzt fielen die schönen Abendveranstaltungen in einem echt steirischen Buschenschank und in dem traditionsreichen Grazer Rathaus – beide mit Untermalung mit Jazzmusik - angenehm auf, boten sie doch Gelegenheit, die Fachgespräche in entspanntem Rahmen zu ergänzen. Die nächste Praktikerkonferenz findet vom 20. bis 22. April 2009 statt, erste Referenten aus herausragenden verfahrenstechnischen Unternehmen haben bereits ihre Teilnahme zugesagt (www.Praktiker-Konferenz.com).
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